Kroatien 2007 – Stalingrad, Marrakesch und Korsula

Zeitraum: 3 Wochen (25.08.2007 - 15.09.2007)
Strecke: Biograd - Pomer (Istrien) - Kornaten - Split - Makarska - Korcula - Biograd
Schiff: FRANCKA, Bavaria 46 Cruiser, Baujahr 2005, 4 Kabinen, Doppelsteueranlage, Radioboxen an Deck (!!)

Google Earth: Einfach die kmz-Datei downloaden und in Google Earth öffnen. Viel Spaß!

Vorgeschichte:

Um den Titel dieses Segelberichtes zu verstehen, müssen wir ein wenig ausholen. Sprechen wir daher kurz über eingefleischte Landratten, auf die wir Segler mitunter wie Wesen von einem anderen Stern wirken müssen.

Das liegt nicht allein an unserem bevorzugten Fortbewegungsmittel, bei dem die Waagerechte langweilig ist, während die Schräglage freudig begrüßt wird. Es liegt vor allem an der Sprache. Denn Landratten reagieren regelmäßig mit Kopfschütteln, wenn sie erfahren, dass an Bord scheinbar alltägliche Dinge eine ganz andere Bezeichnung haben. Rechts ist Steuerbord, ein Seil ist einmal ein Bändsel dann eine Schot, ein Eimer ist eine Pütz.

Zum ersten Mal an Bord, möchte eine Landratte natürlich ihre fehlenden Fremdsprachenkenntnisse selten zugeben. Und so erhält der Skipper auf seine Warnung: „Warschau, backbord achtern hängt ein Tampen über Bord!“ schon einmal ein fröhlich grinsendes Gesicht und die Aussage „Ja, ich finde es auch ganz toll hier.“

Natürlich könnte der Skipper, in Kenntnis darüber, dass es sich um eine Landratte handelt, die übersetzte Variante rufen: „Achtung, hinten links hängt ein Seil im Wasser!“. Aber welchem Skipper fällt schon diese Übersetzung ein, während er versucht bei viel Seitenwind und noch mehr Zuschauern das Schiff rückwärts in die Box zu manövrieren und der Tampen Gefahr läuft in die Schraube zu kommen.

Segelcrews neigen nun dazu, zu den anerkannten Segelbegriffen ihre eigenen zu erfinden. (womit wir wieder beim Titel wären) Warum das so ist, darüber mögen sich (Gruppen-) Psychologen Gedanken machen. Fest steht, unsere Crew 2007 war da keine Ausnahme.

Als der Skipper das erste Ziel bekannt gab: „Heute fahren wir nach Starigrad.“, kam sofort die Bemerkung: „Wie, nach Stalingrad?“. „Nein, nach S-t-a-r-i-g-r-a-d!“, versuchte der Skipper einzulenken. Aber da war es schon zu spät. Fortan bekam jedes Reiseziel seine eigene „Bord-Bezeichnung“.

Selbst vor unserem Lieblingsgetränk machte dieser Spass nicht halt. Da Bier nun mal ein anerkanntes Nahrungsmittel ist, wurde bei uns kurzerhand die kleine Dose zum Brötchen und die große Dose zum Baguette. So konnte man die Dinger gut auseinander halten und es gab immer etwas zu trinken. Auch wenn jemand meinte, er habe Hunger. Dann gab´s eben einfach ein Brötchen.

So, nun genug der Vorrede. Immerhin soll dies ja ein Segelbericht sein.

 

Es geht los:

Stellen wir daher zuerst einmal die Crew 2007 vor. Zu ihr gehörten: Skipper Nerijus Bielskis, Co-Skipper Markus Berwanger, Bordingenieur Rudi Banasch, Kulturbeauftragter Gerd, Kampftaucher Tom Voigt und Trimmgewicht Jonas Bauer (ein Kumpel von Markus). Diese 6 furchtlosen Chaoten gehörten bereits zur Crew 2003. Zu ihnen gesellten sich noch der Chef-Smut Franky (C! Alemania) sowie Navigator Didi Seifert (T! Asciburgia).

 

1. Woche

Am Flughafen von Zagreb trafen wir am 25.08.2007 alle zusammen. Didi, der bereits einen Tag früher angereist war, begrüßte uns mit einem Tablett köstlich, kühlem, kroatischem Bier der Marke Karlovacko und wir blieben dieser Marke bis zum Ende des Urlaubs treu.

Mit einem geliehenen Bus ging es die letzten 300 km bis nach Biergrad (Biograd), wo die einen das Schiff übernahmen, während die anderen den nächstbesten Supermarkt „plünderten“. Die Kassiererin bekam große Augen, als wir mit unseren Einkaufswägen vorfuhren und der Bon, am Ende gut einen Meter lang, brauchte seine Zeit zum Ausdrucken.

Nicht weniger lang brauchte es, das ganze Zeug auf dem Schiff zu verstauen und so verschoben wir kurzfristig das Auslaufen auf den nächsten Morgen und widmeten uns, bei lecker Pizza, dem näheren Kennenlernen unserer Hausmarke.

Am nächsten Morgen sprach der Skipper endlich die Worte, auf die alle seit Monaten sehnsüchtig gewartet haben: „Leinen los!“. Der Ableger war zwar mehr sportlich als schön, aber dann zeigten wir endlich Biergrad das Heck und segelten durch den Pasmanski- und den Zadarski-Kanal gen Norden. Vor dem Inselchen Galovac fanden wir schließlich unsere erste Badebucht und kaum hielt der Anker, waren die Ersten auch schon im Wasser.

Am nächsten Tag ging es nach Stalingrad (Starigrad) im Velebitski Kanal, wo wir mit Nerijus Cousine, die er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, verabredet waren. Vorher wurde allerdings der Skipper noch in den Mast gewinscht, um die Durchfahrtshöhe unter einer Brücke zu kontrollieren. Laut nautischem Reiseführer sollte es passen, aber man weiß ja nie und außerdem gibt das tolle Fotos. (Es passte übrigens.)

Stalingrad selbst liegt wohl zu weit abseits der üblichen Ziele von Segelcrews. Vielleicht liegt es daran, dass die einzige Anlegemöglichkeit eine Mole ist, an der das Schiff bei Seegang wie eine Gazelle am hüpfen ist. Wir waren die einzige Yacht und somit gleich die Attraktion für Touristen und Einheimische.

Angesichts des gefährlich unruhigen Liegeplatzes meinte ein Kroate "No problem, in 2 hours it´s calm". Zwei Stunden später meinte er "In 1 hour it´s calm". Zwei Stunden später war es dann wirklich "calm". Prima, dann kann die Party ja losgehen und so feierten wir in einem Restaurant zuerst in meinen Geburtstag - erfreuten dabei alle Gäste mit unserer Shanty-Hitparade - und saßen bis zum Morgen mit einigen Baguettes auf der Mole.

Unser nächstes Ziel war Pomer in Istrien, wo wir gleich wieder verabredet waren. Diesmal mit meiner Schwester, die dort mit der Familie Urlaub machte. Auf der Fahrt dorthin, mitten in der Nacht, bekamen wir einen Eindruck davon, wie tückisch das Wetter in der Adria sein kann.

Mangels Wind fuhren wir gemütlich unter Maschine, als am Horizont die ersten Blitze auftauchten. Als dann der Wind auffrischte, meinte zwar Jonas man könne ja wieder Segel setzen, aber Skipper Nerijus wusste es besser. "Nix Segeln - zieh Dir Regenklamotten an, hol die Lifebelts für die Schwimmwesten und weck Markus."

Innerhalb weniger Minuten waren wir mitten in einem Gewitter. Es blitzte und donnerte und der Regen war so heftig, dass man keine 5 m weit sehen konnte. Der Windspeed schnellte auf über 40 kn (9 Bft.) und dann schlug der Blitz keine 300 m hinter uns ins Wasser. Da hatte wohl jemand kein Zielwasser getrunken, Gott sei Dank.

So schnell es gekommen war, so schnell war das Gewitter auch wieder vorbei. Wir überprüften kurz unsere elektrischen Geräte und gönnten uns dann ein ordentliches Baguette auf den Schreck.

In Pomer frischten wir zuerst unsere Vorräte auf, machten uns landfein und fuhren nach Pula. Gerd, unser Kulturbeauftragter hatte die Reiseführer studiert und führte uns zielstrebig von einer Attraktion zur nächsten. Um Gerd zukünftig in dem Gewimmel aus Touristengruppen nicht zu verlieren, bekam er von uns einen knallroten Schirm, mit dem er fortan bei jeder Führung vor uns her marschierte.

Am nächsten Morgen starteten wir mit meiner Schwester samt Familie zu einem herrlichen Segeltörn bei anständig Wind und Welle. Obwohl einige der Gäste die Fische füttern mussten, hat es allen super gefallen. Nur das mit dem eigenen Boot wird sich mein Schwager nochmal überlegen.

Eigentlich wollten wir abends wieder starten, aber schwarze Wolken und zunehmender Wind zwangen uns für die nächsten 24 Stunden zum Bleiben. Dann aber ging es endlich los und mit einer Rauschefahrt par excellence fuhren wir durch die Nacht in Richtung der Kornaten.

Die Landschaft mit ihren über 1000 Inseln und Inselchen muss man gesehen haben. Zuerst grün bewaldet, dann innerhalb von 5-10 sm karst und trocken. Dazwischen kristallklares Wasser, dass noch in 50 m Entfernung zum Land fast 100 m tief ist.

Am südlichen Ende der Kornaten gingen wir in der Bucht Opat vor Anker. Von dort aus kann man einen ca. 100 m hohen Berg besteigen (nicht ganz ungefährlich) und hat dann eine grandiose Sicht über die Kornaten.

 

 

2. Woche:

Auf die Natur kommt die Kultur  - wir liefen Troja (Trogir) an. Gerd war bereits bestens vorbereitet und beeindruckte uns z.B. mit seinen Erläuterungen zu einem Bildnis von Kairos, dem günstigen Augenblick, den man nur von vorne am Schopfe packen kann. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kairos)

Nach einem Tag sollte es weiter gehen, aber wieder waren wir festgeweht. Wir befürchteten schon uns langweilen zu müssen, denn auch das Nachtleben von Trogir ließ zu wünschen übrig (es ist halt nicht Mallorca). Aber unser Skipper zog ein AS aus dem Ärmel: Wir leihen uns Motorroller aus.

Ein Sailor ist im Herzen auch ein Biker und so heizten wir entlang der Küste in Richtung der Krka-Wasserfälle, einer der Hauptattraktionen von Kroatien. Man hätte die Fahrt wirklich genießen können, aber der starke Wind verlangte jede Konzentration, sonst hätte es uns von der Straße geweht. Außerdem war es nicht gerade warm. Dann streikte auch noch Didi´s Roller und Gerd, der leichteste von allen wurde zum Sozius.

Der Krka Nationalpark (http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Krka) mit seinen acht großen Wasserfällen ist sehr beeindruckend, nicht gerade billig im Eintritt und ziemlich überlaufen. Aber es lohnt sich.

Auf dem Rückweg versuchten wir Didi´s Roller wieder in Fahrt zu kriegen, aber das Teil wollte nicht mehr. Wir fanden in einem abgelegenen Dorf eine noch abgelegenere Kneipe, wo wir den Roller unterstellen wollten. Sofort sprangen einige Einheimische mit Schraubenzieher und Zange herbei - fest im Glauben den Roller mit Improvisation und Spucke wieder flott zu kriegen. Die Attraktion sprach sich in Windeseile herum und ein Auto nach dem anderen fuhr vor und jeder gab seinen Senf dazu. Der Roller stand die ganze Zeit wie ausgeschlachtet in der Mitte und rührte sich nicht. Irgendwann mussten auch die kroatischen "Profis" das erkennen, was Rudi unser Bordmechaniker schon zu Anfang gesagt hatte: "Das wird nix mehr!"

Wir schrieben uns noch die Adresse der Kneipe auf, ließen die Motoren aufheulen und fetzten los Richtung Trogir. Mitten auf der Strecke, die Blase drückte und TomTom musste sich gegen die Kälte den Rucksack von Jonas vor den Bauch binden, hielt auf einmal der Roller-Vermieter mit einem Hänger direkt neben uns. Welch ein Zufall. Wir gaben ihm die Adresse und er wußte sofort Bescheid. So ist das in Kroatien - im Umkreis von 100 km kennt hier jeder jeden!

Weiter ging es ins nahe gelegene Split zum nächsten Highlight. Das war aber diesmal nicht nur die Stadt mit ihren Attraktionen sondern eine Überraschung, die Nerijus und ich seit Monaten vorbereitet hatten. Doch dazu gleich. Denn vorher lernten wir noch Bob, einen ca. 70 Jahre alten Langzeitzegler kennen. Wir hatten gerade in der Bucht von Split unseren Anker gesetzt, als er mit seinem Dingi angetuckert kam.

Wütend schimpfte er uns aus, wir lägen viel zu dicht an seinem Schiff lägen und letzte Nacht sei ein anderes Schiff beim Schwojen mit ihm zusammen gestoßen. Wir lagen nun wirklich nicht zu dicht, aber Bob war nicht zu unterbrechen und fragte zum Ende seines Wortschwalls, woher wir denn kämen. "From Germany" war die Antwort und schlagartig erhellte sich Bob´s Gesicht und er sagte nur "Then you can stay."

Nerijus und ich grinsten uns an, denn Bob war echt drollig. Wir sagten ihm noch, dass wir unser Schiff vor Anker nie alleine lassen, auch wenn Landgang angesagt ist. Außerdem fahren wir nachts grundsätzlich Ankerwache. Damit verschlug es Bob die Sprache - so eine Crew hatte er noch nie getroffen. Er verabschiedete sich glücklich und meinte noch etwas in der Art, dass mit solch vorbildlicher Seemannschaft die Seglerwelt nicht gänzlich verloren sei. Danke Bob und tschüs!

Nun zur besagten Überraschung. Die brachte Nerijus mit dem Dingi zum Schiff, während die Crew das Abendessen vorbereitete. Und als Rudi aus der Kajüte an Deck kam, stand auf einmal seine Frau Claudia vor ihm. Sie war zusammen mit Ilona, der Frau unseres viel zu früh verstorbenen Bundesbruders Christian Roller, zu einem 10-tägigen Urlaub eingetroffen. Und zwei Tage würden sie mit uns mitfahren. Das Ganze hatten wir seit langem organisiert und es war speziell für Claudia gar nicht so einfach gewesen, den Urlaub vor Rudi zu verheimlichen.

Mit einem Abstecher in das kleine Hafenstädtchen Milna fuhren wir nach Marrakesch (Makarska), dem Ferienort der Mädels. Vorher ankerten wir noch am Zlatni rat Beach auf der Insel Brac, dem bekanntesten Badestrand in Kroatien (http://www.find-croatia.com/beaches-croatia/zlatni-rat-beach1.htm). Der Strand verändert durch die Meeresströmungen laufend seine Form und ist vor allem aus der Vogelperspektive echt beeindruckend. Man sollte aber beim Ankern die Sorgeleine nicht vergessen, denn sonst kann es passieren, dass sich der Anker auf 5-6 m zwischen den Felsen verkeilt. Und nicht jeder hat, so wie wir einen "Kampftaucher" namens TomTom an Bord, der den Anker dort unten wieder ausbricht. Gut gemacht Tom!

Makarska, ein reizvoller Touristenort, liegt direkt am Fuße einer beeindruckenden Gebirgskette. Wir ließen es uns in einem netten Restaurant richtig gut schmecken und wollten anschließend das Nachtleben erkunden. Aber es war mitten in der Woche, schon etwas außerhalb der Saison und die "Zappelschuppen" (Diskotheken) entsprechend leer. Wir hatten trotzdem unseren Spass, auch wenn man bei der gespielten Musik schwerlich erkennen konnte, was nun Lied und was Übergang zum nächsten Lied war. Eigentlich war es einfach nur laut. Ich denke, wir sind auch schon zu alt ...

 

 

3. Woche:

Die Abschiedsszene am Steg dauerte morgens etwas länger. Sorry Rudi, aber es ist nun mal das Schicksal eines jeden Seemannns, dass er seine Liebste an Land zurück lassen muss. Aber unsere anschließende Fahrt entlang der Festlandsküste entschädigte für manche Sehnsucht. Bis zu 1700 m reichen einige Berge dieser Gebirgskette. Die Steiner (unsere Ferngläser) waren heiß begehrt.

Gegen Abend kamen wir in Korsula (Korcula) auf der gleichnamigen Insel an. Wieder einmal war die Marina dicht und wir mussten in eine nahegelegene Bucht ausweichen. Hier hätte Bob seine wahre Freude gehabt. Selbst für uns lagen hier die Schiffe viel zu dicht. Einer musste für den Landgang daher an Deck bleiben.

Korcula (http://de.wikipedia.org/wiki/Korcula) gilt als das kleine Dubrownik und soll sogar der Geburtsort von Marco Polo sein. Aber darüber streiten sich noch die Gelehrten. Beeindruckend war es auf jeden Fall - unser Gerd war wieder einmal bestens vorbereitet.

In unserer vollbesetzten Bucht lernten wir noch eine deutsche Crew mit einer maroden Bavaria 44 kennen. Sie hatten wohl beim Chartern zu sehr auf den Preis geschaut und kämpften nun mit den Folgen. Wir kannten den Schiffstyp von unserem letzten Törn und konnten daher wichtige Tips geben. Wir verabredeten uns für den Abend in der Bucht von Skrivena Luka auf der Insel Lastovo.

Doch daraus wurde leider nichts. Kurz nach dem Auslaufen erwischte uns unsere erste und einzige Bora (http://de.wikipedia.org/wiki/Bora_(Wind)) während dieses Törns. Über den Gebirgsgrat schob sich eine mächtige Wolkenwand und als diese begann nach unten auszureißen, bekamen wir gerade noch rechtzeitig die Segel gerefft. Mit einer fast auf Handtuchgröße eingerollten Fock segelten wir mit Highspeed in Richtung Lastovo. Die Crew der Bavaria 44, erfuhren wir später, war kurz ausgelaufen und sofort wieder zurück gefahren.

Die Bucht von Skrivena Luka gehört zu den schönsten, die ich je gesehen habe. Von allen Seiten geschützt hat man beim Einlaufen eine Tiefe von über 50 m, dann innerhalb von 100 m geht es auf 4-6 m hoch. Wie in einer riesigen Badewanne. Ich wäre dort gern länger geblieben, aber wir hatten den südlichsten Punkt unserer Route erreicht. Wir mussten langsam wieder zurück.

Am nächsten Tag wollten wir noch nach Vis-à-Vis (der Ort Vis auf der Insel Vis). Aber der Wind stand genau gegenan und so fuhren wir nach Hvar auf der gleichnamigen Insel. Was soll ich sagen - auch hier war der Hafen dicht. Beim Ankern in der Bucht erwischten wir drei alte Mooringleinen gleichzeitig und TomTom musste wieder ins Wasser. Nix wie weg hier! Wir besorgten uns noch eine Palette Baguettes und fuhren in eine Traumbucht auf Sveti Klement, dem vorgelagerten Inselarchipel von Hvar.

So schön und komfortabel unsere Bavaria auch war, eine z.B. mit der KonTiki vergleichbare Höhe lief sie einfach nicht. Ab 60 Grad zum Wind stampfte sie sich in der Welle fest und nur mit einem langen Schlag über Nacht hätten wir unter Segeln unser nächsten Ziel erreicht. Dazu hatten wir nach 3 Nächten in verschiedenen Buchten keine Lust mehr. Also Maschine an, Groß als Stützsegel.

So kamen wir rechtzeitig, wenn auch im Dunkeln in Vodice an und bekamen tatsächlich einen Liegeplatz. Den Anleger hätte man nicht besser fahren können. Skipper Nerijus hatte sein Schiff voll im Griff. Ein kurzer Anlegeschluck, eine ausgiebige Dusche und ein Festmahl in einem Restaurant am Hafen - und dann feierten wir in einer Bar bis in die Morgenstunden. Auch wenn wir wieder mal mit der Musik nichts anfangen konnten. Wir bettelten selbst auf Knien für nur einen Titel nach unserem Geschmack, aber der Diskjockey ließ sich nicht erweichen. So ein Depp! Aber so etwas kann ja einen Seemann nicht erschüttern und genau das sangen wir ihm auch lautstark, als gegen Morgen das Licht zum Feierabend anging.

Nach dieser Nacht kam die Crew morgen recht zögerlich oder gar nicht in die Pötte. Einige krochen auch erst kurz vor Biograd wieder aus der Koje, als in einer Bucht lautstark der Anker fiel. Wir hatten noch einige Stunden Zeit bis zur Schiffabgabe, der Wind war günstig und wir wollten endlich Spi-Fliegen machen.

Als Versuchskaninchen musste Gerd, unser Leichtgewicht ran. Nach einigen Fehlkonstruktionen und einer Schrecksekunde, als der Anker nicht hielt, bekamen wir unseren Kulturbeauftragten in die Luft. Für alle, die es auch mal versuchen wollen - so geht es: Man legt das Schiff vor Heckanker und schlägt das Spifall an. Zwischen den unteren Schothörnern bindet man einen Tampen, dessen Länge in etwa der des Unterlieks entspricht. In der Mitte dieses Tampens befestigt man den Bootsmannstuhl. Eine Sicherungsleine (Achterholer oder Spischot) hält jemand an Deck in der Hand. Dann wirft man das Ganze am Bug ins Wasser, der Spiflieger steigt in den Bootsmannstuhl und der Spi wird hochgezogen. Je nach Gewicht des Spifliegers und der Größe des Spi´s geht es ab 8-10 kn Wind in die Luft.

Wir konnten nur Gerd in die Lüfte kriegen, denn der Wind schlief komplett ein. Okay, dann musste es eben sein: der letzte Anleger im Hafen von Biograd, die letzten gegrillten Calamares, die letzte Nacht in der Koje, die Schiffsübergabe, die so kurz war, dass sie den Namen eigentlich nicht verdiente, die Fahrt zum Flughafen, das letzte Karlovasko und von Hamburg mit dem Kielius nach Hause. Schöner Urlaub ex ...

Fazit:

Es war mal wieder ein Traumurlaub, der keine Wünsche offen ließ. Gemütliches Flautenschieben und Segeln bei Starkwind, interessante Städte und traumhafte Buchten, eine Landschaft und ein Segelrevier, die so beeindruckend sind, dass man aus dem Schauen und Staunen nicht heraus kommt. Die Einheimischen sind freundlich und hilfsbereit. Und auch wenn manches noch improvisiert wird - der Tourismus ist den Kinderschuhen entwachsen.

Hier wird sich in den kommenden Jahren noch einiges verändern. Wir wollen hoffen, dass die Kroaten aus den Fehlern anderer Länder gelernt haben und die wirtschaftlichen Interessen des Tourismus sinnvoll mit dem Schutz ihrer einzigartigen Natur verbinden können.

Und was war das Beste an diesem Urlaub? Da gibt es für mich nur eine Antwort: die Crew! Bereits beim letzten Törn konnte ich es fast nicht glauben, wie toll sich die Jungs in den 3 Wochen verstanden haben. Diesmal war es genauso. Kein Ärger, kein böses Wort, kein Stress - jeder respektierte und akzeptierte die Besonderheiten der anderen.

Ich habe mal in einem Buch über Psychologie an Bord gelesen, dass bei einer Gruppe, speziell in der Enge einer Segelyacht, zwangsläufig einer in die Position des "Deppen" gedrängt wird. Er wird immer veräppelt und auf seine Kosten gehen die meisten Scherze. Für den "Deppen" ist es sicherlich unangenehm, aber er trägt damit maßgeblich zur Harmonie an Bord bei. Er wird sozusagen zum Blitzableiter für die anderen.

Wir brauchten keinen "Deppen". Bei uns bekam jeder mal sein Fett weg, selbst der Skipper. Aber ist diese Crew deshalb die gruppenpsychologische Ausnahme? Nein - sie ist einfach nur die Beste!! Danke Jungs und bis zum nächsten Mal.

Markus Berwanger Z!Z!

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