Online-Logbuch - 2. Woche

Sonntag, 09.08.2009

Morgens: Mykonos
Abends: Ormos Phoinika - Syros
Strecke: 22 sm (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGoogle Maps Link)
Wind: 6-8 Bft. (Meltemi, nu is langsam mal gut)
Wetter: Strahlend blauer Kykladen-Himmel (34 Grad)

Vorkommnisse:

Wir müssen unbedingt runter von dieser Party-Insel. Sonst sind Tagesrythmus, Stimmung, Budget und andere Dinge ernsthaft gefährdet. Nach 3 Tagen Mykonos sind einige durchaus urlaubsreif.

Das Problem: da bei unserer Ankunft alle guten Liegeplätze besetzt waren haben wir uns auflandig direkt an die Pier gelegt, die auch noch zu klein für unser Schiff ist. Das Ablegen funktioniert daher nur durch ein minutiös geplantes "Eindampfen in die Vorspring" (im 2. Versuch).

Ein Manöver wie aus dem Lehrbuch, das "rein" zufällig aufgeschlagen auf dem Navitisch lag. Kaum raus aus dem Hafen geht die Post ab. 2-3m Welle, Kreuzseen und bis zu 35 kn (8Bft) auf dem Windspeed. Aber die Mannschaft um Skipper Nerijus ist perfekt eingespielt und hat unter seiner Leitung das Schiff voll im Griff.

Als wir dann noch unter Landabdeckung von Syros in den Sonnenuntergang  mit über 9kn rauschen, ist der Segeltag perfekt. Wir ankern in der Bucht von Phoinika und Markus kredenzt seine Variation von Gyros mit Tsatziki. Speziell letzteres ist sehr Knoblauch-Lastig. Aber wir erwarten morgen keine Gäste. Nerijus und Markus übernehmen die erste Ankerwache und aktualisieren das Online-Logbuch... To be continued



Montag, 10.08.2009

Morgens: Ormos Phoinika - Syros
Abends: Ormos Phoinika - Syros (Hafen)
Strecke: ./.
Wind: 6-7 Bft. (Meltemi, Fallböen)
Wetter: Strahlend blauer Kykladen-Himmel (30 Grad)

Vorkommnisse:

Spruch des Tages (Tom): "Der Meltemi deckt 600% ihres Tagesbedarfs an Wind. Übermäßiger Genuß beeinträchtigt ihr Wohlbefinden." Das wollen wir nicht riskieren und verzichten kurzerhand auf eine weitere Runde Action-Segeln. Heute machen wir daher das, worauf alle Lust haben - Nichts! Wir "chillen", wie man heutzutage sagt, durch den Tag, bis gegen Abend doch noch etwas los ist. Im Hafen wird ein Liegeplatz frei und da wir unsere Wassertanks mal auffüllen müssen, kommt sofort das Kommando "Da fahren wir rein, bevor es ein anderer tut. Beim Einholen des Ankers erfahren wir, warum das Ding so toll gehalten hat: Wir haben mehrere Mooringleinen im Anker. Der "Heikel" unser nautischer Reiseführer hatte schon davor gewarnt. Ja, ja, ich weiß - wir haben keine Trippleine gesetzt. Aber wir kennen die Situation von früheren Törns und es ist nicht zu tief. Also, einer ins Wasser (diesmal Richard), Spifall um die Mooringleinen legen, Spifall dicht, Anker etwas ab und fertig. Dann Anker auf - Richard nicht vergessen - und ab zum noch freien Liegeplatz an der Pier.

Markus wirft wieder mal einiges in den großen Topf und heraus kommt ein mediteranes Risotto mit Calamares. Lecker, wie immer, auch die Knoblauch-Note ist akzeptabel. Wir werden vom Hafenmeister auch zur Kasse gebeten und können es nicht fassen: Sage und schreibe 8,21 Euro beträgt die Gebühr. Wir hätten bei der Größe unseres Schiffes, mindestens mit 30-40 Euro gerechnet. Allerdings rechtfertigt der Blick in die sanitären Anlagen diesen Preis. Allgemein haben die Griechen das segelnde Urlaubsvolk noch nicht so ganz als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Das ist einerseits toll für uns Segler, aber für halbwegs saubere Duschen und Toiletten im Hafen, wären wir gern bereit etwas mehr für den Liegeplatz zu zahlen.

Dionysos hat uns ziemlich viel Wein in die Backskisten gelegt. Um diesen "Balast" kümmern wir uns heute Abend bei einem richtig netten Bordfest. Früh morgens haben wir es (nicht ganz) geschafft, aber wenigstens können jetzt alle die Bordhymne - der Stern von Mykonos - auswendig. Vielleicht auch der eine oder andere von den Nachbarn ...



Dienstag, 11.08.2009

Morgens: Ormos Phoinika - Syros
Abends: Ormos Ioannou - Paros
Strecke: 27 sm (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGoogle Maps Link)
Wind: 5-6 Bft. (Meltemi ruht sich aus)
Wetter: Strahlend blauer Kykladen-Himmel (29 Grad). Mal was Neues.

Vorkommnisse:

Ein paar Zeilen gibt es nach dem Abendessen in der Bucht...

Mehrfach haben wir schon geschrieben, dass der jeweilige Schlag von der einen zur anderen Insel, das beste Segeln war. Da wird es eng mit den Superlativen. Aber die heutige Tour war einfach nochmal besser. Raumschots bei bis zu 6 Bft. von Syros nach Paros, tolle Wellen von ca. 2 m, im Durchschnitt 8 kn, keine Wolke am Himmel - ein Waaahnsinn!! Und zur Krönung die Bucht Ioannou, bestens geschützt und türkisfarbenes Wasser über Sandgrund. Neben uns liegen einige Megayachten, unter anderem eine Riesen-Slup mit 6 Salings und eigenem WLAN (leider gesichert). Die Bucht ist stark, wenn auch nicht übermäßig besucht und vom nahen Hafen Naousa fahren kleine Ausflugsboote die Sonnenhungrigen an den Strand. Wer irgendwann mal Urlaub auf Paros macht, sollte hier her kommen. Es lohnt sich wirklich.

Wir essen heute das erste Mal unter Deck. Der 26 Grad "kalte" Wind ist uns inzwischen zu frisch. Die Bordküche unter Leitung von Markus serviert Spaghetti mit Garnelen auf Oregano-Tomatensoße. Anschließend genießen wir einen traumhaften Sonnenuntergang mit entsprechenden Sundownern. Zeitweise wird es dabei recht still an Bord - der eine oder andere ist dann doch in Gedanken zu Hause ...



Mittwoch, 12.08.2009

Morgens: Ormos Ioannou - Paros
Abends: Ormos Ioannou - Paros
Strecke: ./. (Ein Tag in der Bucht - kein Google Maps Link)
Wind: 3-5 Bft. (Meltemi ruht sich weiter aus)
Wetter: Wie immer, keine Wolke, 28 Grad

Vorkommnisse:

Tja, liebe Meltemi-Fangemeinde, Glück und Leid liegen bekanntlich eng beieinander und manchmal schreibt eben ein anderer die Geschichten. Nachts um 2 Uhr erhält Markus einen Anruf und wird über einen Trauerfall in der Familie informiert. Daher muss er morgen nach Hause fliegen. Dank Internet an Bord können wir in dieser herrlichen Bucht bleiben und alles Notwendige (Fähre, Flug, etc.) organisieren. Die Stimmung an Bord ist natürlich eingetrübt, nachdem die Crew über das Ereignis und die Abreise von Markus informiert ist. Trotz allem halten sich alle mächtig gefasst. Den Tatsachen wird realistisch ins Auge gesehen und vorerst lässt sich eine entspannte Urlaubsathomsphäre für alle wieder herstellen. Wir bleiben den ganzen Tag in der Ormos Ioannou. Das Dingi wird klar gemacht und es geht auf Landentdeckung. Eine Landschaft aus Vulkangestein, bewuchert von Disteln und gelb-grünlichen Mosen und Flechten, trennt das Meer von der Bucht. Interessante Felsformationen schichten sich bis annährend 100 m in die Höhe. Wandertag! Wir erklimmen die Bergkuppe und wandeln entlang an idyllichen Einbuchtungen, in denen die Einheimischen ihre Siesta zelebrieren. Traumhafte Postkartenmotive bilden sich vom Berg aus zur einen wie zur anderen Seite des Minigebirges ab. Unweit fügt sich ein mäßig belebter Strand mit einer wunderbaren Chillout-Bar an, in der wir Frappa auf Eis genießen und jeder die Gelegenheit hat, die weniger erfreulichen Ereignisse mit sich in Einklang zu bringen. Am Abend wird der Übervorrat an Zwiebeln reduziert. Tom und Westi bereiten als Vorspeise eine äußerst schmackhafte Zwiebelsuppe an Weißwein mit gekräuterten Croutons. Zum Hauptgericht gibt es Nudeln mit Thunfischtomaten. Ein besonnener Abend schließt sich an. 



Donnerstag, 13.08.2009

Morgens: Ormos Ioannou - Paros
Abends: Hafen Paroikia - Paros
Strecke: 10 sm (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGoogle Maps Link)
Wind: 6-8 Bft. (Hallo, Meltemi!)
Wetter: eine Sonne, keine Wolken.

Vorkommnisse:

Früh morgens laufen wir aus. Wir spielen Wassertaxi für Markus. Userer Freund Meltemi meint es aber ziemlich ernst mit uns: 2-3m Welle, 33.9 kn max Windgeschwindigkeit ist keine ruhige Taxifahrt. Die kurze Ausfahrt aus der Bucht ist mit einer Achterbahnfahrt vergleichbar. Mit Motor gegen die Welle ist ein schweres Vorankommen. Nach dem Abdrehen und segeln am halben (Stark)-Wind gehts besser, vor allen Dingen zügig voran.

In der Bucht vor Paroikia gehen wir vor Anker. Der Abschied von Markus steht unmittelbar bevor. Erst jetzt wird allen klar, wie sehr er uns wirklich fehlen wird. Mit einem dicken Kloß im Hals gehts an einen kurzen Abschied. Tom setzt ihn mit dem Dingi zum Hafen über. Später winken wir Markus auf der Fähre zu. Wir wissen, dass das Kreuzen nach Athen gegenan ihm lieber gewesen wäre...

Nach der Rückkehr von Tom Tom ist großes Ausruhen nach der Sturmfahrt angesagt. Dann begeben sich Westi, Axel und Richard zu ersten Erkundungen in die kleine aber feine Hauptstadt von Paros. Nach deren Rückkehr und reiflichen Überlegungen beschließen wir im Hafen von Paroikia fest zu machen. Nach einem ersten Versuch uns mit dem Heck an die Mole zu legen, macht uns ein Italiener aufmerksam, wir könnten seine Ankerkette mit der unsrigen überlegt haben. Also das ganze nochmal. Dann klappt es aber perfekt und Italien zeigt sich am Steg sehr hilfsbereit.

Ein halber Hafentag: die Vorräte werden aufgefüllt, der Tankwagen herangewunken. Abends geht's in eine einfache aber gemütliche Taverne. Sollte jemand von euch Paros besuchen, müsst ihr unbedingt die "Akrogiali" mit der ausgezeichneten griechischen Küche besuchen! Ein Teil der Crew (Westi, Richard, TomTom) ist nach dem mitternächtlichen Spaziergang immer noch nicht kojenreif und entdeckt die "beste" Bar auf Paros... Die Jungs machen die Lichter aus...



Freitag, 14.08.2009

Morgens: Hafen Paroikia - Paros
Abends: Ormos Koutala - Seriphos
Strecke: 35 sm (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGoogle Maps Link)
Wind: 1-3 Bft. (Hallo, Meltemi?)
Wetter: wie immer.

Vorkommnisse:

Diejenigen, die um 8:00 noch nicht wach sind, werden von einem stinkenden Motorboot, das an der Pier neben uns anlegen will, geweckt. Laute, südländische Gespräche und einige Kommandos ans Personal, welches später stundenlang mit dem kostbaren Süßwasser das Schiff von oben bis unten blank putzen muss. Es regnet gar einige Tropfen in unsere Kajüten sowie auf den Frühstückstisch. Wir sind nicht sonderbar erfreut über unsere Nachbarn.
Schließlich fällt uns dadurch der Abschied von Paroikia nicht schwer. Es geht weiter Richtung Seriphos.
Wie immer strahlend blauer Himmel, mit einem Unterschied. Von Meltemi nichts zu sehen. Wir fahren also unter Motor, was keinen von uns stört, denn die letzten Tage die von stetigem Starkwind geprägt waren haben doch an uns allen gezehrt.
Aber das ist erst die Ruhe vorm Sturm: ab Sonntag ist wieder der Starkwind angesagt. Das heißt für uns: "die Höhe Richtung Athen tuckern". Bei einer ruhigen Überfahrt nach Seriphos wird Sonne getankt und Augenpflege betrieben. Vor der Bucht versuchen wir noch unser Anglerglück. Gut, dass wir gestern Fisch eingekauft haben...

Spruch des Tages (TomTom): Mythos ist mentale Tinte beim Schreiben des Logbuchs.

 



Samstag, 15.08.2009

Morgens: Ormos Koutala - Seriphos
Abends: Ormos Skintos - Dhokos
Strecke: 50 sm (Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGoogle Maps Link mit einer Botschaft)
Wind: 1-2 Bft. (Ätsch, Bätsch, Meltemi)
Wetter: ratet mal.

Vorkommnisse:

Auslaufen aus unserer idyllischen Bucht um 8:30. Wir mögen es kaum glauben. Wolkenloser Himmel und beinahe glatte See. Zum Forankommen bleibt nur Motor und das gute 50 sm bis zur Insel Ydra. Während der Strecke keine besonderen Vorkommnisse ausser spannender Manöver kurz vorm Ziel. Der aufgeweckte Leser unseres Logbuches wird die versteckte Botschaft in unserer Strecke finden!

Ydra und benachbarte Inseln bieten reichlich traumhafte Buchten, ausserdem bewaldetes Festland, was uns schon ganz fremd geworden ist. Es bricht ein Abend an, wie wir ihn auf diesem Törn noch nicht erlebt haben. Stille See in einer naturbelassenen Bucht auf der Insel Dhokos, eine einsame Mini-Kapelle, ein einsamer Esel. Später Ziegen und Schafe, deren Glocken ein leises Gebimmel entsenden.

TomTom kocht Dosenfleisch an Tomaten und Pilzen. Ausserdem gibt es griechischen Salat. Nerijus hat dicke Bonen gekauft, die einerseits sehr schmackhaft sind, unsere Bäuche aber recht prall füllen. Später ganz entspannte Erholung beim Sundowner und einigen Shantys. Der pure Inselluxus in Punkto Erholung und Zufriedenheit. Später bekommt Richard nächtlichen Besuch von einer Mücke, die ihn beinahe um den wohlverdienten Schlaf bringt. Richard: "Ich schlaf nicht eher, bevor das Vieh tot ist..." 


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